Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Wie kann ich diese kritischen Stimmen beruhigen, die mich am ersten Schritt hindern?
Nach einer längeren Auszeit zurück in den Beruf? Das klingt einfacher, als es oft ist. Zwischen Selbstzweifeln, neuen Anforderungen und der Suche nach dem passenden Arbeitgeber gibt es viele Hürden. Es gibt aber auch klare Strategien, um den Neustart erfolgreich zu gestalten.
Nach wie vor sind es hauptsächlich Frauen, die Ihre Karrierepläne auf Eis legen, um Care Arbeit zu leisten. Die Vorstellung der fürsorglichen Frau/Mutter ist in unserer Gesellschaft immer noch sehr stark verankert. Ich selbst habe meine beruflichen Pläne für die Erziehung und Begleitung meiner drei Kinder hintenangestellt. Dies war eine bewusste Entscheidung. In unserem Fall war es auch eine leistbare Entscheidung. Aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten, meinem Umzug zu meinem Mann in die Schweiz und den fehlenden Arbeitsmöglichkeiten für mich in näherer Umgebung, war für uns schnell klar, dass ich meine Karriere später verfolge. Wir lebten lange das klassische Familienmodel.
ABER Kinder werden grösser und somit auch selbstständiger. Sie bauen sich ihr eigenes soziales Netzwerk auf. Du, als Mama, bekommst immer mehr die Rolle des Beobachters. Du hast wieder mehr Zeit für dich da deine persönlichen Freiräume wieder grösser werden. Aber diese Freiräume schaffen Platz für die Gedankenkarussele. Gedanken wie: was möchte ich vom Leben? Was möchte ich erreichen? Was habe ich vor den Kindern mit meiner Zeit gemacht?
Und dann werden diese leisen Gedanken immer lauter und der Entschluss: Ich will meine Zeit nutzen. Ich will wieder zurück in die Berufswelt!
Doch auf den Blitz (der Gedanke, die Euphorie) folgt immer der Donner (Zweifel, Ängst). So viele Fragen spuken durch unseren Kopf. Die erste Euphorie verklingt, macht Platz für Selbstzweifel. Ich bin mir sicher jede von uns kennt diese Gedanken. Nur jemand der gezwungen wird, schnell einen Job zu finden, hat diesen Luxus nicht. Aber dieser Beitrag fokussiert sich hauptsächlich auf die Mamas unter uns, die Vollzeit zu Hause sind und der innere Wunsch nach dem UND immer grösser wird.
Deshalb reden wir zuerst einmal über die ersten Zweifel und Gedanken mit denen wir uns bei dem Enschluss unser UND zu leben konfrontiert sehen.
1. Selbstzweifel

Bin ich denn noch gut genug? Sind meine Qualifikation noch gefragt? Habe ich nicht schon alles verlernt? Schaffe ich das denn überhaupt Kinder und Job zu vereinbaren?
Das sind berechtige und verständliche Sorgen. Je nachdem, wie lange man aus der Berufswelt raus ist, kennt man seinen Wert nicht mehr. Mir persönlich hat eine Aussage von einem Personalverantwortlichen in Panik versetzt. Er sagte: „Jede Ausbildung hat eigentlich nur 5 Jahre einen Wert. Danach ist es so, als ob man diesen Meilenstein nie erreicht hätte.“ Zu dieser Zeit war ich schon ein paar Jahre zu Hause bei meinen Kindern und bin keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen. Aber lasst euch dadurch nicht verunsichern. Nur weil du zu hause warst, heisst das ja nicht, dass du nichts um dich herum mitbekommen hast. Ich sehe immer wieder, und ich nehme mich hier nicht aus, wie sich Frauen, egal ob sie arbeiten oder sich zu Hause um alles kümmern, klein reden. Wir Frauen haben gelernt leise zu sein. Was denkt ihr, wie würde es oft klingen, wenn ein Mann nach einer (Familien) Auszeit auf Jobsuche wäre? Mach dir doch einmal darüber Gedanken: ein Mann liest eine Stellenanzeige und hakt die Anforderungen ab, 5 von 10 konnte er mit ja beantworten, die Frau 9 von 10. Der Mann bewirbt sich, die Frau sucht weiter. Das heisst nicht, dass du dich jetzt auf Stellen bewerben musst, die so gar nicht deinen Wünschen, Anforderungen und Talenten entspricht. Aber es muss nicht immer eine 10 von 10 sein.
2. Vereinbarkeit: wie teilen wir als Familie all die Aufgaben auf

Wie soll das alles funktionieren? Bisher warst immer hauptsächlich du für die Organisation, Planung, Haushalt, Termine verantwortlich? Wie wird dein Partner reagieren, wenn du auf einmal nicht mehr 24/7 für die Familie da bist?
Dies ist sicher einer der schwierigsten Gedanken, den man ausformulieren muss, bevor man sich wieder in das Abenteuer Job stürzt. Ich kann hier nur eine offene Kommunikation mit der Familie empfehlen. Redet mit eurem Partner, euren Kindern, Freunden über eure Erwartungen, Vorstellungen, Ängste und Sorgen. Für meine Kinder war es eine grosse Umstellung. Sie kannten eine Mama, die immer greifbar ist. Nun gesellen sich neue Aufgaben dazu. Meine Ältestet hat hierzur einmal ihre Gedanken niedergeschreiben. Mit Ihrer Erlaubnis teile ich ihre Gedanken mit euch in diesem Beitrag „Wenn beide Eltern wieder arbeiten“. Es hat mir bewusst gemacht, dass die Rückkehr zum Job für alle eine grosse Umstellung ist. Lies ihre Gedanken, es hilft uns den Blickwinkel zu ändern und unsere Überlegungen nicht nur in einem Tunnel zu sehen. NImm all die Überlegungen, Sorgen und Bedenken, aber auch die Ermutigungen und Unterstützung deiner Familie und Freunde an. Habt den Mut euer eigenes Model zu finden. Und habt auch den Mut euer Model anzupassen. So oft denken wir in Schwarz und Weiss. Gebt euch die Zeit und auch den Raum gemeinsam herauszufinden, was sich für euch gut anfühlt. Und habt den Mut Loszulassen. Euer Partner, eure Kinder werden Aufgaben anders angehen, lösen wie ihr. Es wird ein Termin vergessen werden. Es wird nicht alles Perfekt laufen. Habt den Mut dies zuzulassen.
3. Die sozialen Veränderungen

Wenn wir den Sozialen Medien glauben schenken, befinden wir uns im Moment in einer grossen Schere zwischen den Generationen. Da wird immer von den Boomern, Millenials und Generation Z gesprochen. Es gibt oft Zwist und Unverständnis füreinander. Es kommt zu Missverständnissen zwischen Boomer, Millenials, Generation Z. Aber hier hast du einen guten Ansatzpunkt. Kinder/Teenager im Haushalt, ältere Angehörige, die du pflegst, geben dir ein natürliches Verständnis für die jeweils andere Altersgruppe. Du kannst dich hier als das starke Bindeglied der Generationen in deinem Team positionieren.
4. Die technischen Veränderungen

Die Digitalisierung schreitet rasend voran. Du gehörst wahrscheinlich so wie ich zur Generation Y (Millennials). Das heißt, dass du zu der Generation gehörst, die als erstes mit den neuen Medien aufgewachsen ist. Nicht bereits als Baby, Kleinkind sondern erst im Schulalter mit einem PC gearbeitet hat. Aber als Mama hast du die wichtigsten Schritte der Digitalisierung erlernen müssen. Meine Kinder arbeiten seit der fünften Primaklasse (im Alter von 11. Jahren) nur noch am Laptop. Wochenpläne, Termine für Prüfungen oder Schulaktivitäten werden nur noch mittels Schulaccount kommuniziert. Aber lasst euch dadurch nicht abschrecken. Unsere Kinder, die Generation Z bzw. alpha wurde nicht mit dem Tablet, Smartphone geboren. Sie brauchen Anweisungen und einen erwachsenen Wegweiser. Und diese Wegweiser sind meistens wir Eltern. Deshalb mach dir über diesem Punkt nicht zu viele Sorgen und falls du dich doch unsicher fühlst, besuche einen Kurs (gibt es auch Online) einfach um dein Wissen aufzufrischen und Sicherheit zu gewinnen.

Die Liste ist natürlich nicht vollständig, aber ich möchte dir damit einen Anstoss geben, deine eigenen Gedanken und Sorgen zu formulieren. Denn dein Weg zurück in in die Sichtbarkeit ist nur einen Schritt entfernt.
Ja, der erste Schritt fühlt sich oft wie ein Sprung ins Ungewisse an. Aber genau dieser Schritt öffnet die Tür zu neuen Möglichkeiten. Selbstzweifel, technische Veränderungen und die Frage nach der Vereinbarkeit sind reale Herausforderungen – doch sie sind nicht unüberwindbar. Mit klarer Kommunikation in der Familie, dem Mut zur Weiterbildung und dem Bewusstsein für deine eigenen Stärken kannst du den Neustart gestalten.
Erinnere dich: Deine Erfahrungen aus der Care-Arbeit sind kein Karrierebruch, sondern ein Kompetenzgewinn. Organisationstalent, Empathie, Durchhaltevermögen – all das sind Fähigkeiten, die Arbeitgeber schätzen. Gib dir selbst die Erlaubnis, wieder sichtbar zu werden. Der Weg ist nicht immer leicht, aber er lohnt sich. Und der erste Schritt? Der beginnt genau jetzt.
„Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt„
Laotse
Deine 5 ersten Schritte zurück in die Sichtbarkeit
- Schreib auf, was du wirklich willst – ohne Filter, ohne Perfektion.
- Formuliere deine Stärken – auch jene aus der Care-Arbeit.
- Sprich mit deiner Familie – teile deine Wünsche und Erwartungen.
- Setz einen Mini‑Schritt um – ein Profil aktualisieren, einen Kurs recherchieren, eine Notiz schreiben.
- Feiere diesen Schritt – er ist der Anfang deines UND.
Ich freue mich, wenn du deine Gedanken, Zweifel oder deinen ersten Schritt hier teilst. Gemeinsam können wir unsere Stärken sichtbar machen und diesen leisen Stimmen in uns mehr Raum geben. Schritt für Schritt wird der Weg klarer – und du musst ihn nicht allein gehen.

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