Wie Kinder den Wandel erleben und daran wachsen
Der Moment, in dem ein Elternteil wieder ins Berufsleben einsteigt, verändert den Familienalltag spürbar – besonders für Kinder und Teenager. Unsicherheiten, neue Aufgaben und ein völlig anderer Rhythmus können anfangs überfordern. Gleichzeitig steckt in dieser Phase eine enorme Chance für Selbstständigkeit, Zusammenhalt und persönliches Wachstum. Der folgende Beitrag zeigt aus der Perspektive meiner Ältesten wie sich dieser Übergang für sie dazumal angefühlt hat. Ihre Gedanken sollen uns helfen auch einmal einen neuen Blickwinkel einzunehmen.
Die Gedanken eines Teenagers, nachdem ihre Mama entschieden hat wieder arbeiten zu gehen
Für Kinder und Teenager ist es am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Als meine Mutter eines Tages zu uns kam und sagte, sie wolle wieder arbeiten, war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch. Was würde sich verändern? Würden wir das schaffen? Am ersten Arbeitstag wusste ich nicht, wer nervöser war, sie oder wir Kinder? Es war Neuland für uns. Man konnte mittags nicht mehr einfach zu Mama gehen und ihr von der Schule erzählen. Es kamen neue Herausforderungen. Zum Beispiel: Hausaufgaben, der Albtraum jedes Kindes. Die Person, die wir sonst immer gefragt hatten, war nicht mehr da. Also mussten wir andere Wege finden. Ich half meinen jüngeren Geschwistern bei ihren Aufgaben, und wenn ich selbst nicht weiterkam, rief ich einfach schnell meine Mutter an. Für etwas sind Handys ja gut. Dann tauchten andere Probleme auf. Wir erzählten unserer Mutter nicht mehr alles. Prüfungen oder Erlebnisse blieben unausgesprochen. Das lösten wir, indem wir unsere Prüfungen in den Familienkalender eintrugen. Wenn etwas wichtig war, erzählten wir es unseren Eltern. Wenn nicht, dann eben nicht. Damit waren alle einverstanden. Bis hierhin klingt es vielleicht nur negativ, aber es gab auch viele gute Seiten. Wir konnten uns plötzlich mehr leisten. Ich merkte, dass meine Eltern sich weniger Sorgen machten, ob wir uns etwas leisten konnten oder nicht. Ich sah, wie gut es meiner Mutter tat, aus dem Haus zu kommen und etwas anderes zu machen als nur Hausfrau zu sein. Wir Kinder lernten, was es bedeutet, selbstständig und unabhängig zu sein. Wir begannen, unsere Eltern anders zu schätzen und auch anders zu lieben, weil wir verstanden, was es heisst, alleine zu sein.
Für Kinder und Jugendliche löst so eine Veränderung viele Gefühle aus. Mir persönlich machte es nichts aus, dass jetzt beide Elternteile arbeiteten. Ich fand es nicht schlimm, ich konnte nun wirklich alles selbst erledigen. Klar, manches war nicht so toll, wie zum Beispiel beim Lernen oder bei den Hausaufgaben helfen. Für meine kleinen Geschwister war es schwieriger. Früher war immer jemand daheim, und plötzlich war das anders. Mein kleiner Bruder versuchte seine Gefühle zu verbergen, aber man sah ihm an, dass es ihm nicht leichtfiel. Eltern merken sowas ja, wenn es ihren Kindern nicht gut geht. Also setzte sich meine Mutter mit ihm zusammen und sie redeten lange. Worüber genau, weiss ich nicht. Danach ging es ihm besser. Er akzeptierte, dass nicht immer jemand daheim ist, und erkannte die Vorteile. Er begann, öfter zu Freunden zu gehen. Wir führten eine kleine „Regel“ ein: Unter der Woche durften wir uns mit Freunden treffen, wie wir wollten. Aber am Wochenende sollten wir zuhause sein, etwas gemeinsam unternehmen. Auch wenn es nur auf der Couch liegen und einen Film schauen war. Ich fand das eine coole Idee. So hatte ich Zeit für Freunde und gleichzeitig Zeit für die Familie.



Die Rolle der Eltern
Am Ende zeigt sich: Wenn beide Eltern wieder arbeiten, verändert sich vieles. Für mich war die grösste Challeng loszulassen. Meinen Kindern die Selbstständikeit zuzumuten. Oft habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht greifbar bin. Aber zu sehen wie meine Kinder daran wachsen, neue Aufgaben meistern, neue Routinen finden, und Seiten an sich entdecken, die vorher im Alltag verborgen blieben macht mich Stolz. Es bestätigt mich in meiner Entscheidung mein UND zu suchen und zu leben. Veränderung fühlt sich am Anfang immer ungewohnt an, doch sie kann eine Familie stärken, unabhängiger machen und den Blick füreinander schärfen. Genau darin liegt die eigentliche Chance.
Wenn du selbst vor einer ähnlichen Veränderung stehst oder andere Familien auf diesem Weg unterstützen möchtest, teile deine Erfahrungen in den Kommentaren. Ich freue mich auf weitere Impulse, neue Blickwinkel rund um Familienalltag, Selbstständigkeit und gelingende Übergänge.

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