Achtsamkeit: der Zustand voll und ganz im Hier und Jetzt zu sein. Etwas nicht zu be- und verurteilen. Den Moment einfach wertefrei zu fühlen. Ihn so zu erleben, wie er gerade stattfindet.
Warum Achtsamkeit so schwer fällt
Klingt erst Mal unmöglich diesen Zustand zu erreichen? Du fragst dich, wie du mit der ganzen Verantwortung umgehst. Trägst du diese den ganzen Tag mit dir herum, aber möchtest einen Moment wertefrei erleben? Nutzt du doch jede Minute in deinem vollgestopften Alltag damit, deine ToDo Liste durchzugehen. Du setzt eine neue Liste auf und hoffst, ein paar Punkte auf diesen Listen abhaken zu können. Aber du weisst, dass immer mehr dazu kommen. So schaffst du wieder einmal nicht alles. Anstatt den Moment einfach seine Daseinsberechtigung zu geben, wünschst du dir, dass der Tag ein paar Stunden mehr dazu bekommt.
Mir ging es genauso. Ich war die Perfektion im Multitasking. Ich hatte alle Termine im Kopf. Ich wusste, wo meine Kinder ihre Sachen verlegt hatten. Ich wusste, was bei meinem Mann in der Arbeit so alles anstand. Und ich war stolz darauf. Wenn ich gefragt wurde: „Wow wie schaffst du das alles, Kinder, Job, Studium, Haushalt? Da fühlte ich mich gut. So wie Superwoman. Ich war stolz auf mich. Ich genoss die Aufmerksamkeit. Zu der Zeit dachte ich noch, wenn die Kinder dann grösser sind, sind sie selbstständiger. Dann hab ich noch genügend Zeit mich auf meine Hobbies, mich auf mich zu konzentrieren. Sie werden ja eh so schnell gross. Ja, Kinder werden grösser. Sie werden selbstständiger. Aber der Mental Load, der diese Selbstständigkeit und das Erwachsenwerden mit sich bringt, wird nicht kleiner. Im Gegenteil, es gibt viel mehr zu bedenken. Die Aufgaben in der Schule werden schwieriger. Um deinen Kindern eine angemessene Aushilfslehrerin zu sein, musst du dich erst einmal wieder mit der Thematik befassen. Nur dann kannst du es deinem Kind verständlich erklären. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass weitreichende Überlegungen auf euch zukommen. Es gilt die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dein Kind bei seiner Berufswahl zu unterstützen. Eine Balance zwischen pull and push finden. Und das Alles bei einem menschlichen Gehirn, dass gerade eine Veränderung mitmacht, das dem eines Säuglinges um nichts nachsteht. Immer hören wir, wie wunderbar die Entwicklung von Säuglingen ist. Niemand spricht jedoch von den vielen Einflüssen, die ein Teenager verarbeiten muss.
In Gedanken sehe ich euch alle den Kopf nicken. Einige von euch haben vielleicht ein kleines Schmunzler auf den Lippen. Andere zeigen sogar ein gequältes Lächeln. Und fragen sich vielleicht noch mehr, wie wir denn in solch einer Situation, achtsam sein können.
Denkt jetzt nicht, dass euch hier ein Wundermittel präsentiert wird um all diese Herausforderungen zu umschiffen. Ihr findet hier keinen Online Kurs wo ihr lernt, all diese Gedanken abzuschalten. Ihr einfach die Punkte abarbeitet und eure Mental Load abnimmt oder gar ganz verschwindet.
Doch wie können wir in dieser Situation achtsam leben, ohne gleich einen Kurs zu buchen oder alles perfekt zu machen? Hier sind meine Top 5 Erste-Hilfe-Tipps für Achtsamkeit, die dir helfen, den Stress zu reduzieren und neue Energie zu tanken.
Die fünf Sinne
Halte kurz inne und nimm alles um dich herum mit all deinen Sinnen war. Und damit meine ich wirklich war nehmen.
- Was siehst du? Den Himmel? Ist er blau? Beschreibe das Blau. Ist es heute bewölkt? Wie sieht das aus?
- Was hörst du? Hörst du Autos? Oder sind es die Vögel die zwitschern? Konzentriere dich auf alles was du hörst.
- Was riechst du? Die Abgase der Autos? Pommes? Dein Parfüm? Lass die Gerüche auf dich wirken. Was schmeckst du? Wie fühlt sich dein Mund an? Ist da noch der Kaugummi den du gerade im Mund hattest? Das Essen auf das du dich freust? Kannst du es schon schmecken?
- Was fühlst du? Ist dir kalt oder warm? Kitzelt dich die Sonne an der Nasenspitze? Fühlst du einen Windhauch auf deiner Haut?

Tanzen
Du bist keine begnadete Tänzerin? Taktgefühl wurde dir nicht in die Wiege gelegt?Egal, es spielt keine Rolle wie du beim Tanzen aussiehst. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Musik unsere Emotionen stark beeinflusst. Stell dir deine „Ich bin nicht Superwoman“ Playlist zusammen und wirble durch die Wohnung. Geh in den Park oder den Wald, egal wo es dich hinzieht, hauptsache du bewegst dich zu deiner Musik. Mach dies solange, bis du merkst, dass alles ausser der Musik auf der Pausetaste steht.

Spazieren gehen – oder einfach nur bewegen
Es muss kein Marathon oder Trail Run sein. Zieh einfach ein paar bequeme Schuhe an und geh aus dem Haus oder der Wohnung. Nicht lange überlegen wohin du gehen willst. Lass dich von deiner inneren Stimme leiten. Es funktioniert, geh einfach drauf los. Am Anfang kann es dir schwer fallen. Einfach so ohne Plan durch die Gegend zu laufen, ist am Anfang sehr herausfordernd. Aber je öfter du das machst, desto einfacher wird es. Die Bewegung und der Rhythmus helfen dir deine Gedanken zu sortieren. Hier ist es nicht das Ziel total abzuschalten, sondern die Gedanken kommen und gehen zu lassen.

Yoga
Immer wenn meine Gedanken eine unerträgliche Lautstärke ereichen, hilft mir Yoga. Yoga ist eine gute Möglichkeit um aus diesem „alles muss geplant werden, jeder Ablauf muss sitzen“ zu kommen. Yoga hat mir gelernt, dass es nicht auf Perfektion ankommt. Es ist egal wie du dabei aussiehst. Ich habe lange gebraucht um zu lernen, dass es nicht die „eine, richtige“ Abfolge von Yogapositionen gibt. Das wichtigste beim Yoga ist, dass du auf denen Körper und deinen Geist hörst. Vertraue auf dich, dass du in deinem Herzen weisst was dir gerade gut tut. Lass deinen Körper, deinen Geist bestimmen welche Pose sich gerade gut anfühlt.
(Da Yoga deinen Körper, deine Muskeln fordert, rate ich dir, dir vor dem Praktizieren ein paar private Yogastunden zu gönnen, einfach um die Grundpositionen sauber zu erlernen und das Verletzungsrisiko zu minimieren)

Nichts tun
Ja genau versuche einfach einmal gar nichts zu tun. Suche dir ein ruhiges Plätzchen mit einer Tasse Kaffee, Tee oder einem Glas Wasser. Stelle das Smartphone in den Flugmodus und platziere es ausser Reichweite. Vermeide jegliche Berieselung von Hintergrundmusik oder TV. Sei einfach nur du. Versuche den Geräuschen zu lauschen, spüre deinen Herzschlag, beobachte deinen Atem. Du musst aufkommende Gedanken nicht mit Gewalt wegdrücken. Denke hier an einen Ballon den du unter Wasser drücken willst. Du weisst, dass dies nur viel Energie kostet und nicht mit Erfolg gekrönt wird. Versuche stattdessen den Ballon davontreiben zu lassen. Versuche ihn aus deinem Blickfeld treiben zu lassen.

All diese Punkte sind genau wie jedes andere Training in unserem Leben. Je öfter du versuchst, diese Punkte umzusetzen, desto leichter werden sie dir fallen. Je öfter du deiner Intuition vertraust und die Punkte lebst, desto leichter wird es. Es spielt keine Rolle, ob diese Momente 5 Minuten oder auch einmal 60 Minuten andauern. Wichtig ist nur, dass du lernst solche Momente zu schaffen, zu geniessen und daraus neue Kraft zu schöpfen.
Jetzt kennst du meine Top 5 um nicht vom Altagsstress überfahren zu werden. Was sind deine Empfehlungen? Was hilft dir am Besten? Ich freue mich auf deine Inputs und dein Feedback.

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